Es gibt keine schlechten Erfahrungen

Aktualisiert: Apr 11

Interview mit Carsten Gieseke-Mayet, einem Fachmann für Hygiene- und Desinfektionsartikel.


Was BC-Manager, Krisenmanager und ein Fachberater für Hygiene- und Desinfektionsmittel gemeinsam haben? Wir waren lange Zeit Mahner & Warner aber so manch einer wollte nicht so Recht zuhören...



Dieses Interview haben wir telefonisch durchgeführt.


Birthe: "Carsten, was ist genau Dein Job?"


Carsten: "Ich bin Fachberater und Gebietsverkaufsleiter für Desinfektions- und Hygiene-Artikel und Lösungskonzepte bei CWS-boco Deutschland GmbH."


Birthe: "Beschreibe mal einen Deiner ganz normalen Arbeits-Tage."


Carsten: "Den „normalen“ Arbeitstag gibt es so gar nicht. Meine Arbeitstage sind eine spannende Mischung aus Kundenterminen und Tagen, an denen ich im Office bin. Ich arbeite Angebote und Konzepte aus und erstelle Wirtschaftlichkeits-Berechnungen. Ich habe noch 3 Kollegen mit in der Verantwortung, die ich mit meiner Erfahrung unterstütze. Wir sind Dienstleister und bieten verschiedenste Artikel rund um Hygiene im Mietservice an. Wir stellen unseren Kunden beispielsweise Handabtrocknungs- Seifen- und Desinfektionsmittelspender zur Verfügung, bieten aber auch Schmutzfangmatten, Duftspender und Hygieneboxen für die WC-Räume an. Der Mietservice hat den Vorteil, dass wir verantwortlich sind, sollte tatsächlich mal etwas nicht funktionieren. Nach einer Info unseres Kunden, kommt umgehend ein Monteur und bringt das wieder in Ordnung. Das Verbrauchsmaterial wie Seife und Desinfektionsmittel liefern wir zum Teil automatisch oder es wird nach Bedarf geliefert.


Ich persönlich verstehe mich als Fachberater und möchte den Leuten nichts aufschwatzen, sondern sie mit Argumenten überzeugen. Ich versuche Ihnen zu zeigen, dass ich eher ein „Vermittler“ bin, der teilweise näher an ihnen dran ist als an meiner Company, die ja schließlich Geld damit verdienen muss. Schaffe ich es, dass Sie mich nicht als „Vertreter“ oder „Verkäufer“ sehen, wird es oft eine tolle Zusammenarbeit, die dann echt Spaß macht!"


Birthe: "Welche Branchen betreust Du?"


Carsten: "Kurz gesagt: Alle. Unsere Produkte werden ja zum Glück für mich überall benötigt. Das heißt von Krankenhäusern, Arztpraxen, Gastrogewerbe und Hotels über Bürobetriebe und produzierenden Unternehmen ist einfach alles dabei."


Der erste Wandel kam durch das Thema Nachhaltigkeit!

Birthe: "Wie ist Dein Eindruck von der Ausstattung der Unternehmen mit Hygiene-Artikeln bevor das Corona-Virus Thema wurde?"


Carsten: "Bei bestimmten Branchen gibt es Vorgaben, wie zum Beispiel Hautschutzpläne. Hier helfe ich den Kunden, dass sie ihre Auflagen erfüllen.


Von den übrigen Kunden, wie zum Beispiel klassischen Bürobetrieben, werden solche Lösungen häufig als „C-Produkte“ klassifiziert. So lange es diese Unternehmen gibt, solange gibt es auch „irgendwelche“ Lösungen. Es war für mich häufig mehr Arbeit, mir bei solchen Kunden "Gehör" oder einen Termin zu verschaffen – Argumente wie „Nachhaltigkeit“ oder „bessere Standards“ haben hier keine große Wirkung gezeigt.


Der erste Wandel vor ca. 5 Jahren kam dann genau durch das Thema „Nachhaltigkeit“. Seitdem wurde es den Unternehmen immer wichtiger, sich das mehr und mehr auf die Fahnen zu schreiben. Das konnte ich dann gut nutzen, um von dem einen oder anderen neuen Konzept besser zu überzeugen.


Im ähnlichen Zeitraum gab es aber auch immer wieder auffällige Nachfragewellen, wenn bestimmte neue Krankheitserreger Schlagzeilen gemacht haben. Der Hygienestandard sollte dann bei dem einen oder anderen Unternehmen erhöht werden. So war das zum Beispiel bei der Schweinegrippe und bei der Vogelgrippe spürbar."





Bei Terminen bitte ich gerne um eine "Tatort-Begehung"!

Birthe: "Wie fallen Reaktionen aus, wenn Du auf Schwachstellen hinweist?"


Carsten: "Wenn ich einen Termin zur Vorstellung bekomme, freue ich mich und nutze die Gelegenheit, Gehör zu finden. Meistens planen die Gesprächs-Partner 30 Minuten ein … was soll man schon zum Thema Handreinigung, Handabtrocknung und Hygiene groß besprechen. Manchmal gehe ich aber erst nach 1,5 Stunden und bekomme ein großes Dankeschön, da schon aus dem Gespräch viele Tipps und Ideen dabei sind. Die Kunden sind eher dankbar, wenn wir etwas verbessern können. Und da die eigene Erkenntnis oft am meisten überzeugt, bitte ich gerne um eine kurze „Tatort-Begehung“ und frage, was dem Gesprächspartner selbst auffällt und frage ihn nach seinen Wünschen oder Ideen."


Alle wollten Händedesinfektionsmittel...

Birthe: "Ab wann hast Du in diesem Jahr gemerkt, dass bei Deinen Kunden das Thema Desinfektion spannender wurde?"


Carsten: "Bei uns zählt der Januar sonst eher zu den ruhigeren Monaten. In diesem Jahr war das anders. Mitte Januar ging es schon los, dass die Anfragen stiegen. Richtig heftig wurde es Mitte Februar. In erster Linie wollten alle Hände-Desinfektionsmittel und passende Spender dazu – und das für alle möglichen Bereiche: WC-Räume, Kantinen, Kaffee-Ecken, Empfangshallen und so weiter. Auch mehr gefragt als sonst waren Flächendesinfektions-Lösungen, zum Beispiel für die WC-Brillen."


Birthe: "Wie konntet Ihr dem darauf folgenden Ansturm Stand halten?"


Carsten: "Als uns klar wurde, dass wir der extremen Nachfrage an Desinfektionsmitteln nur schwer nachkommen können, haben wir sofort gehandelt. Wir mussten neuen Interessenten für Desinfektionslösungen erklären, dass es in der aktuellen Lage nicht möglich ist, sofort zu liefern. Schließlich haben wir ja vertragliche Lieferverpflichtungen für unsere Bestandskunden.


Dann ging es ganz schnell - die Hersteller durften nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt an den Handel liefern. Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen haben hier verständlicherweise absolut Vorrang.


Vom Nischenprodukt zum absoluten Renner!

Ganz stark war auch plötzlich die Nachfrage nach freistehenden und flexibel aufstellbaren Säulen für Empfangshallen und Eingänge. Da konnten wir die Nachfrage mit unserem Standardartikel nicht mehr lange decken. Vom Nischenprodukt zum absoluten Renner! So haben wir andere Hersteller ausfindig gemacht, mit denen unsere Produkte kompatibel sind, um dem Bedarf gerecht zu werden.


Mittlerweile ist gar kein viruzides Desinfektionsmittel mehr für den Handel lieferbar – alle Kunden und Interessenten haben dafür aber Verständnis. Die klassische Hand-Seife ist bis zum heutigen Stand aber zum Glück kein Problem und in gewohnter Weise lieferbar."


Birthe: "Ihr bietet auch Hygienebehälter für Damen-WCs an und zum Service gehört auch die Reinigung und Desinfektion. Wie geht das in Zeiten der Knappheit von Desinfektionsmitteln?"


Carsten: "Hier muss ich kurz erklären, dass diese Boxen früher mal „Ladycare“ hießen, wir haben das Produkt umbenannt und es heißt nun „Hygienebox“, da sie auch in so manchen Herrntoiletten aufgestellt werden. Auch hier werden Einlagen, Windeln und in Zeiten der Diversität auch Monatshygiene entsorgt.


Zur bakteriziden Desinfektion eignet sich ein natürlicher Stoff: Kampfer


Bild: Kampfer, Quelle: Shutterstock - lizenzfreies Bild


Diese Boxen werden zwar desinfiziert, jedoch geht es hier um die Vernichtung von Bakterien. Nach dem Leeren und Waschen der Boxen verwenden wir ein Hygienegel. Das besteht zum Teil auch aus natürlichen Mitteln wie Kampfer. Das hat eine antiseptische Wirkung und bindet Gerüche. Diese antibakteriellen Desinfektionsmittel werden nach wie vor auch für den Handel in ausreichender Menge hergestellt und geliefert."


Birthe: "Was glaubst Du wird sich nach der Zeit des Corona-Virus für Euch ändern?"


Carsten: "Ich glaube wir werden uns geschäftlich gesehen nicht beklagen können. Für die Hygiene im Waschraum sind nun wohl alle ausreichend sensibilisiert. Unternehmen werden vermutlich auch in ruhigeren Zeiten proaktiver und vorausschauender mit dem Einsatz und der Lagerung von solchen Artikeln umgehen."


Birthe: "In einem anderen Blog-Beitrag habe ich über Desk-Sharing in den Post-Corona-Zeiten nachgedacht. Bietet Ihr Sets für Mitarbeiter zur desinfizierenden Reinigung von Tastaturen oder gemeinsam genutzten Flächen an?"


Carsten: "Über solche Lösungen wird sich ganz sicher unsere findige Produktabteilung Gedanken machen. Wir als Marktführer kommen oft mit neuen Ideen auf den Markt und bieten Lösungen, die sich von anderen abheben. Sei es durch eigene Marktforschung oder auch durch Anregungen von anderen Herstellern, mit denen wir dann gemeinsam neue Produkte ausarbeiten.


So hatten wir zum Beispiel mal einen Türgriff mit Kunststoffschlauch entwickelt. Dieser "Endlos"-Kunststoff-Schlauch hat sich dann nach Nutzung des Türgriffs weitergezogen. Das hat sich nicht durchgesetzt, vielleicht auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Ich würde lieber einen Desinfektionsspender vor oder hinter der Tür anbringen. Für gemeinsam genutzte Arbeitsplätze sollte man besser Maus & Tastatur mit in den persönlichen Rollcontainer packen."


Birthe: "Was ist Dein persönliches Zwischen-Fazit zur Zeit mit Corona?"


Carsten: "Aus meiner Sicht machen wir keine schlechten Erfahrungen, wir machen Erfahrungen und das in guten und in schlechten Zeiten. Wir lernen gerade ganz viel, jeder für sich persönlich, aber auch wir als Gesellschaft und Gemeinschaft.


Diese Krise hat sehr viele traurige, tragische und negative Aspekte – aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Wir beschäftigen uns mit uns selbst, mit „echteren“ Dingen.


Vielleicht wird so mancher Vorgesetzte über die Produktivität im Homeoffice wundern und den Mitarbeitern mehr vertrauen!

Weiterhin glaube ich, dass sich unsere Begrüßungskultur dauerhaft ändern könnte. Das Hände schütteln könnte dem „Fußkick“ oder dem „Ellbogen-Check“ weichen. Vermutlich werden sich die Leute auch weniger auf öffentliche oder gemeinschaftlich genutzte Toilettensitze setzen. Die Menschen sich auch in normalen Zeiten mehr die Hände waschen.


Und noch ein wichtiger Punkt – Du hast es ja schon rausgehört: Ich lebe Nachhaltigkeit – und das persönlich als auch mit und im Namen der CWS. Aus diesen Gründen hoffe ich, dass sich das Homeoffice mehr durchsetzen wird. Vielleicht wird nun so mancher Vorgesetzter über die Produktivität staunen und den Mitarbeitern mehr vertrauen. Wir würden die Umwelt entlasten durch so manchen Pendler, der sich den Arbeitsweg sparen kann und die Unternehmen könnten ihre Mietflächen verkleinern und ebenfalls Geld sparen."


Birthe: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Wie kann man Dich bei Interesse oder weiteren Fragen erreichen?


Carsten: "Gerne! Am besten per Mail unter Carsten.Gieseke-Mayet@cws.com."



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